Menstruieren kann sich wie «Nach-Hause-Kommen» anfühlen

Stell dir vor, du planst eine Auszeit: vier Wochen Weitwandern. Du schulterst deinen Rucksack in Olten, wirfst eine Münze auf der Holzbrücke, bei Kopf Osten, bei Zahl Westen. Doch sie plätschert in die Aare, entscheidet nichts, und du läufst einfach mal nordwärts los.

Die ersten Tage sind gut.

Du findest deinen Rhythmus, die Landschaft belohnt dich, abends schläfst du tief. Unterwegs führst du spannende Gespräche. Du wanderst durch verwinkelte Dörfer, grüsst Bäume und Flüsse, lernst einen Esel namens Rico kennen und erreichst flott dein jeweiliges Tagesziel.

Doch irgendwann um Tag zwanzig beginnt es zu kriseln. Dein Handy hat einen Wackelkontakt und lässt dich ständig im Stich. Ein Schuhbändel ist gerissen, du improvisierst mit einem Stück Schnur. Bei einer vermeintlichen Abkürzung stehst du an einer Schlucht. Der linke Schulterträger scheuert wie bescheuert. Du hast keine saubere Kleidung mehr, deine Haare sind fettig, du wirst einsilbiger und machst einen Bogen um andere Wandernde.

Tag 25: Dein Portemonnaie ist weg. Twint funktioniert im Ausland nicht. Scheibenkleister. Also Weissbrot und Brunnenwasser. So langsam hast du die Schnauze voll.

Tag 28: Du bist hungrig wie eine Bärin, schlecht gelaunt wie ein Uhu am Tag. Fast am Ziel merkst du, dass dein Handy noch unter dem Baum liegt, wo du deine Mittagspause gemacht hast. Also umkehren, Handy liegt zum Glück noch dort, das Display dunkel, Akku alle. Du steckst es in dein Gepäck und setzt grummelnd deinen Weg fort. Es beginnt zu nieseln. Den Blick starr zu Boden. Scheissidee, diese Wanderung. Du reagierst nicht auf das Klingeln. Nicht auf das Rufen. Erst als dir ein roter Schuh an einem Fuss in einer roten Socke ins Blickfeld gerät, schaust du auf.

Deine Freundin hat dich abgeholt. Auf ihrem roten Fahrrad. Sie packt wortlos deinen Rucksack auf den Gepäckträger, schaut dich gütig an. Sagt, dass du es in zwanzig Minuten geschafft hast. Du beisst auf die Zähne. Schweigend geht ihr nebeneinander.

Sie schliesst ihre Wohnungstür auf. Zeigt dir dein Zimmer. Du lässt alle Kleider an Ort und Stelle fallen, stellst dich unter die Dusche. Heisses Wasser. Du wäschst dir den letzten Monat ab. Massierst mit dem Duschstrahl die harten Schultern. Der Dreck rinnt an dir runter. Orangen-Rosengeranien-Seife überall. Du seufzt genüsslich und schliesst die Augen, während du deine Haare shampoonierst.

Du wickelst dich in das vorgewärmte Frottiertuch. Bekommst eine köstliche Suppe. Kuschelst dich in das bequemste Bett, in dem du je geschlafen hast.

Die Menstruation ist nicht dein Endgegner

Was wäre, wenn sich deine Menstruation genauso anfühlen würde? Wie ein Heimkommen oder ein Wiederankommen in deinem Körper? Ein lang gezogenes, erleichtertes «Ahhhhh»?

Ich weiss, was du gerade denkst. «Josianne, hör uuf. Die Menstruation ist kein Wellnessurlaub». Stimmt. Aber sie könnte aufhören, eine kräftezehrende Katastrophe zu sein. Die Menstruation ist nicht dein Endgegner. Sie kann sogar zur echten Kraftquelle werden.

No kidding. Im Ernscht.

Nach 14 Jahren als - nennen wir es mal so - «Mens-Tante der Nation» habe ich eine ziemlich gute Idee davon, warum deine Mens so ist, wie sie ist. Und was sich ändern lässt, falls du jeden Monat uf dä Felgä in die Mens reinrasselst und sie dich noch zerknautschter wieder ausspuckt.

Die Menstruation ist mehr als Schmerz, Stimmungsschwankungen und Aufwand.

Sie ist der Ruhepol deines Zyklus, der Moment, in dem dein Körper dir unmissverständlich sagt: Jetzt. Innehalten. Ankommen. Auftanken.

Wie die Freundin mit dem roten Fahrrad.

Wortlos und gütig.

Blog-Frühling

Hoi, ich bin Josianne,

die Frau hinter Quittenduft. Als Menstruationskundige und Zykluscoach gebe ich seit über 10 Jahren mein Wissen rund um den weiblichen Zyklus weiter. So auch hier auf meinem Blog, der dich dabei unterstützen soll, besser zu verstehen, was es mit dem zyklischen Leben auf sich hat. Mal nachdenklich, mal frech, mal superklug – aber immer bloody lesenswert.

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